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Der achtgliedrige Yogaweg: Einführung & Yamas (1/8)

Yoga steht im englischen für das Wort ‘union’, was so viel heisst wie ‘Zusammenführung’ oder ‘Vereinigung’. Yoga ist tatsächlich viel mehr als ‘nur’ eine Aneinanderreihung von unterschiedlichen Posen (Asanas), die man mit dem Körper einnimmt. Es geht um die Zusammenführung von Körper, Seele und Geist. Dabei spielen Asanas zwar eine zentrale Rolle, tatsächlich sind sie aber nur ein Teil eines grösseren Ganzen.

Schön veranschaulicht wir dies in der Philosophie des achtgliedrigen Yogaweges, den wir euch mit Bezug auf den Alltag hier vorstellen möchten. Wir beginnen mit einer kurzen Übersicht und tauchen dann tiefer ein in das erste Glied, die Yamas ein.

Der achtgliedrige Weg: die äussere und die innere Praxis.

Der achtgliedrige Yogaweg stammt aus der Samkhya Philosophie von Pantanjali und wird auch Raja Yoga genannt. Patanjali ist ein Yogagelehrter, seine Schriften zum achtgliedrigen Yogaweg oder 8 Limbs of Yoga, wie es im Englischen heisst, sind in den Yoga Sutras wiederzufinden. Sie wurden ca. zwischen 500 v.Chr und 400 n.Chr zusammengetragen.

Man kann die acht Glieder in zwei Kategorien unterscheiden: Die äussere und die innere Praxis.

Die ersten fünf Glieder beschreiben die äussere Praxis. Sie lehren uns, von was wir Abstand nehmen sollen (Yamas) , positive Gedanken zu kultivieren (Niyamas), Asanas, Atemübungen (Pranayama) und die Kontrolle der Sinne (Prathyahara). Diese leiten über zu den letzen drei Gliedern der inneren Praxis: Konzentration (Dharna), Meditation (Dhyana) und die totale Ruhe des Geistes (Samadhi).

Es ist ein Weg zur Selbst-Transformation und jedes Glied baut auf das nächste auf. Aber versteht uns nicht falsch, es handelt sich hierbei nicht um verstaubte, esoterische Angaben darüber was richtig und falsch ist. Es sind viel mehr Werkzeuge, die ihr zu eurer eigenen körperlichen, geistigen und seelischen Pflege nutzen könnt, um ein gesundes und zufriedenes Leben zu führen. Den achtgliedrigen Weg zu praktizieren kann helfen, gesünder zu leben, bessere Beziehungen zu seiner Umwelt aufzubauen und ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit zu entwickeln.

Der achtgliedrige Weg: Yamas

Das erste Glied sind die Yamas. Im Grunde sind dies Dinge von denen wir uns abhalten oder zurück halten sollen, um einen optimal gesunden Geist, Seele und Körper zu entwickeln. Früher waren die Yamas eine Art ‘Schwur’ an den sich Yogis in allen Lebenslagen hielten. In der heutigen Realität und Welt sieht das etwas anders aus. Heutzutage sieht man sie viel mehr als Richtlinien und Eckpfeiler, an die man sich versucht, so gut es geht zu halten. Jeder innerhalb seiner eigenen Möglichkeiten. Das Herz der Yamas liegt nämlich nicht in ihrer konsequenten und dogmatischen Befolgung, viel mehr schaffen sie Bewusstsein und Achtsamkeit im alltäglichen Leben. Ausserdem schaffen es nur sehr wenige Geschöpfe auf dieser Erde immer alle Yamas zur gleichen Zeit zu befolgen. Ihr könnt euch die Yamas wie einen ethischen Kompass für Yogis (und nicht-Yogis) vorstellen, die die Grundlage für ein friedliches, gesellschaftliches Zuammenleben bilden.

Yamas: Ahimsa – Gewaltlosigkeit

Ahimsa ist die Grundlage aller Grundlagen im achtgliedrigen Yogaweg. In der Yoga Philosophie geht man davon aus, dass Gewalt und Achtsamkeit nicht co-existieren können. Ursprünglich bedeutete Ahimsa Gewaltlosigkeit gegenüber anderen Menschen, heutzutage beinhaltet Ahimsa aber auch subtilere Bedeutungen.

Mit Ahimsa ist nicht nur die körperliche, gedankliche und sprachliche Gewaltlosigkeit gegenüber anderen, sondern auch gegenüber sich selbst gemeint. Eine gewaltfreie Kommunikation ist eine Kommunikation voll von Mitgefühl (mit anderen und einen selbst), beinhaltet aber auch die Aufrechterhaltung einer stetigen Achtsamkeit während der körperlichen Praxis (Asanas), in der man auf den eigenen Körper hört und ihn nicht an oder gar über seine Grenzen bringt.

Ahimsa bezieht sich weiter auch auf unsere Intentionen. Wenn man beispielsweise ein schwieriges Gespräch mit seinem Partner führen muss, dann sollte man sich zunächst seiner eigenen Absichten und Intentionen bewusst werden. Sucht man das Gespräch wirklich aus einer guten Absicht heraus oder versucht man beispielsweise sein eigenes Ego zu befriedigen.

Ein oft missverstandener Aspekt von Ahimsa ist, dass Ahimsa für eine vegetarische oder vegane Ernährung steht. Denn einige Menschen sind aufgrund ihrer körperlichen Konstitution auf die Aufnahme von tierischen Produkten angewiesen. In Ayurveda beispielsweise ist die Aufnahme von tierischen Produkten für gewisse Menschen essentiell, um ein gesundes Leben zu führen. Der Ausschluss von tierischen Produkten wäre für diese sogar schädlich, was dem Anspruch von Ahimsa widersprechen würde.

Yamas: Satya – Wahrheit

Satya bedeutet immer die Wahrheit zu sagen – voller Mitgefühl und mit guten Absichten. Jedoch müssen wir bedenken, dass wir niemals die ganze Wahrheit einer Situation oder Sache kennen können. Deshalb geht es hier darum, dass du deine Wahrheit aussprichst. Je länger wir Yoga praktizieren, desto mehr lernen wir unsere Wahrheit kennen und werden uns unseres Einflusses auf andere Menschen bewusst.

Es geht also auch darum, dass unsere Worte vertrauenswürdig sind und mit einer friedlichen und ruhigen Absicht ausgesprochen werden. Gleichzeitig geht es aber nicht nur um das gesprochene Wort. Unsere Gestik und Mimik sind genauso gemeint, wie die Kommunikation, die wir an uns selber richten. Es geht also auch darum “Heute geht es mir nicht so gut” auszusprechen, wenn man von seinen Liebsten nach dem Wohlbefinden gefragt wird und nicht mit einem “alles gut” und erzwungenem Lächeln zu antworten.

Satya beinhaltet auch das nicht aussprechen von Wahrheiten, die verletzend sein können. Ahimsa steht folglich über Satya.

Yamas: Asteya – nicht stehlen, nicht begehren

Asteya bezieht sich einerseits natürlich darauf, im Laden um die Ecke keine Kaugummis zu klauen, geht aber – ihr vermutet es schon – noch weiter als das. Es geht auch darum, sich nicht mit fremden Lorbeeren zu schmücken. Beispielsweise die Arbeit von anderen als die Eigene zu verkaufen.

Asteya bezieht sich aber nicht nur auf materialistische Dinge oder Gedankengut. Dieses Yama lehrt uns auch, dass wir die Energie anderer nicht absaugen oder stehlen soll. Ist beispielsweise jemand offensichtlich in eine Arbeit oder ein Gespräch involviert, wäre es nicht korrekt die Person hierbei zu stören und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Besser ist es zu warten, bis die Person frei ist und sein Anliegen dann zu präsentieren.

Yamas: Bramacharya – Zölibat

Seid beruhigt, wir sprechen hier nicht vom Zölibat, wie ihr es aus der katholischen Kirche kennt. Es geht viel mehr darum sexuelle Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu kontrollieren. Damit ist nicht die Unterdrückung dieser gemeint, sondern der achtsame Umgang mit ihnen. Monogamie vor Promiskuität quasi.

Ein interessantes Konzept im Tinder-Zeitalter. In der Praxis bedeutet dies, Verantwortung für sein eigenes Verhalten zu übernehmen und sich näher zu seiner eigenen Wahrheit zu bewegen und darin seine Befriedigung zu finden, als sich auf sofortige externe Befriedigungen seiner Bedürfnisse zu verlassen.

Dies führt nicht nur zu einer besseren Beziehung mit dir selbst, sondern bringt langfristig auch mehr Qualität in die Beziehung zu deinem Partner. Weil ihr euch gegenseitig nährt und nicht voneinander zehrt.

Yamas: Aparigrahah – Bescheidenheit, frei von Gier

In der westlichen Welt ist Aparigrahah darauf zurückzuführen, ein einfaches Leben zu führen und uns nicht mit materiellen Dingen zu identifizieren, um unser Glück zu finden. Das bedeutet jetzt nicht, dass du dich von deiner schönen Wohnung verabschieden und in einer Höhle leben sollst. Aber dass du dir bewusst bist, dass deine Zufriedenheit und dein Glück nicht von der schönen Wohnung abhängig sind. Zufriedenheit benötigt innere Arbeit, die du dir nirgends kaufen kannst.

Indem wir ein einfaches Leben führen, habe wir auch weniger Ablenkungen für unseren Geist. Das schafft für einen Raum, indem wir unser wahres Selbst entdecken und das Leben so annehmen können, wie es kommt.

Im zweiten Teil unserer Serie zum achtgliedrigen Yogaweg, werden wir uns die Niyamas genauer anschauen. Sie sind die andere Seite der Münze der Yamas: positive Gedanken und Aktivitäten, die wir in unser Leben integrieren sollen. Der Beitrag wird in ca. 2 Wochen veröffentlicht und über den Newsletter als erstes verschickt.

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Elena Scacchi

Hei, ich bin Elena und leidenschaftliche Yoga Lehrerin. Im yoga2be leite ich Dienstags von 17.00 - 18. 00 Uhr eine Hatha Klasse und Sonntags von 16.30 - 17.30 Uhr eine sehr entspannende Yin Yoga & Sound Stunde. Ich würde mich freuen, dich da mal zu sehen. Wenn du mehr über mich erfahren möchtest oder Fragen hast, dann folge mir doch auf Instagram.

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