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Yoga & Mens: Wie die 4 Jahreszeiten deine Praxis beeinflussen.

Viele Frauen haben auf ihre Art Schwierigkeiten mit ihrem Zyklus: Unregelmässigkeiten, zu starke oder zu schwache Blutungen, Schmerzen und Stimmungsschwankungen. Dies sind nur ein paar der ‘Probleme’, denen sich Frauen jeden Monat aufs neue Stellen und die wir versuchen auf die eine oder andere Art ‘zu kontrollieren’.

Ich selbst habe unzählige Methoden getestet, hormonell, nicht hormonell, schulmedizinische Ratschläge und alternative Heilmethoden, um meine Regelschmerzen in den Griff zu bekommen. Das Einzige, was mich wie gewohnt funktionieren liess, waren 800mg Schmerztabletten. An schlimmen Tagen nahm ich diese Dosis alle 2 Stunden ein. Und dies nicht um übermenschliches zu bewerkstelligen, sondern einfach nur um aufrecht gehen zu können und in Meetings nicht vom Stuhl zu fallen. An manchen Tagen nahm ich so bis zu 10 Schmerztabletten. Jeden Monat für 1-3 Tage. Das sind Minimum 120 Tabletten im Jahr. Als mir diese Zahl bewusst wurde, wusste ich, ich konnte nicht mein Leben lang so weiter machen. Es musst eine Lösung her.

Bei Gesprächen mit Freundinnen und Bekannten viel mir auf, dass wir alle dieselbe Herangehensweise hatten: Wir wollten die Kontrolle über unsere Tage gewinnen. Wir wollen bestimmen wann, wie lange, wie stark wir von unserem Zyklus vereinnahmt werden. Und dies versuchen wir hartnäckig und meist erfolgreich mit Medikamenten und indem wir unseren Körper in Zuständen körperlicher und mentaler Erschöpfung, zu Höchstleistungen pushen.

Aber ist das wirklich die richtige Herangehensweise für Frauen? Denn es sind die gesellschaftlichen Umstände, die uns dazu treiben immer 100% zu geben. Die Anforderung an uns selbst, dass wir immer alles unter einen Hut kriegen (müssen). Und nicht, weil wir das wollen und obwohl uns unser Körper mit allen Mitteln (Krämpfen, fehlender Energie, etc.) genau das Gegenteil sagt. So antwortet auch jede Frau, die ich folgendes Frage, gleich.

“Wenn du ein Wochenende im Monat auf die ersten 3 Tage deiner Periode umlegen könntest und dafür einmal Samstag und Sonntag arbeiten müsstest, würdest du es tun?”

Bis jetzt würden dies alle ohne mit der Wimper zu zucken, in Anspruch nehmen. Wäre also nicht der Kampf gegen, sondern das Begrüssen und – wie so oft – das Annehmen der Periode der Schlüssel?

Zu Beginn von 2020 hatte ich das Glück in Ecuador eine Heilerin kennenzulernen. Huanita ist Teil des camino rojo, Shamanin, Medizinfrau, Gelehrte, studierte Medizinerin und hilft Frauen dabei sich weiterzuentwickeln, Blockaden zu lösen und gesund zu leben. Zentraler Bestandteil: Das Leben MIT, statt GEGEN den Zyklus.

Unsere Periode: Die vier Jahreszeiten.

Huanita erklärt, dass der weibliche Zyklus in 4 Jahreszeiten aufgeteilt ist. Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Jede hat ihre eigenen physiologischen, psychologischen und energetischen Auswirkungen auf den weiblichen Körper. Jede dauert grob 6-8 Tage, je nach gesamter Zykluslänge. Und diese müsse man nicht nur lernen wahr- und anzunehmen, sondern auch aktiv in Alltag und Planung einzubauen. Klingt einfach, ist es theoretisch auch. Im echten Leben bedarf es allerdings ein bisschen Planung.

Der Winter.

Die Menstruation selbst ist wie der Winter. Die Energie im ganzen Körper ist nach Innen gerichtet, genau wie die Natur zu dieser Zeit keine Früchte trägt, sondern regeneriert und sich eine Pause vor der nächsten Blüte gönnt, ist das auch bei uns Frauen. Wir haben das Bedürfnis uns zurück zu ziehen, sind leichter gereizt von äusseren Einflüssen. Begeisterung und Motivation für Neues bleibt an diesen Tagen meistens aus. Und das ist völlig normal und in Ordnung so! Unser Körper steckt zu dieser Zeit alle Energie in die Reinigung unserer Gebärmutter. Was das für ein Kraftakt ist, merken wir anhand unsere Krämpfe. Starke Blutungen und Krämpfe können ein Zeichen von Überanstrengung in dieser Phase sein. Unser Körper sagt uns mit allem was er hat, dass er chillen muss. Und was machen wir? Alles AUSSER auf diese Zeichen zu hören.
Im Winter liegt unser Energie Level bei 10-20% (wenn überhaupt) im Vergleich zu unseren ‘Sommer-Tagen’. Dies äussert sich in Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Gereiztheit und Schmerzen. Es ist also wichtig, dass wir uns in dieser Phase Ruhe und Zeit gönnen. Es ist ein idealer Zeitpunkt, um über das Geschehene der letzten 4 Wochen zu reflektieren.
Vielleicht denkst du jetzt “Ruhe? Ich hab doch nur meine Periode und bin nicht krank!”. Mag sein, dass du nicht krank bist. Dennoch: Eine Periode kommt einer Minigeburt gleich, die Mechanismen im Körper sind dieselben wie bei einer normalen Geburt. Und nach einer Geburt gönnt man der Frau 6 Wochen Erholung.

Der Frühling

Die zweite Phase ist der Frühling. Auch sie hält 6-8 Tage an. Wir kommen langsam wieder aus unserem Cocon, gewinnen an Energie und Kreativität, sind bereit für einen Neuanfang. Unsere Libido steigt wieder an und der Eisprung findet statt.
Der Ideale Zeitpunkt, um uns Ziele und Intentionen für den kommenden Monat zu setzen. Strategien zu planen, neue Projekte zu starten.

Man kann auch jeden Monat einer Intention unterzuordnen: “Liebevoll mit sich und Mitmenschen umzugehen” / “Geduldig mit sich und anderen zu sein” / “Dein eigenen Grenzen treu zu bleiben.”

Der Sommer

Wir sind in unserer vollen Blüte. Die Energie ist zurück auf 100%. Progesteron, Östrogen, Luteinisierungshormon und Follitropin (FSH) fluten den Körper. Das gibt Energie, du fühlst dich gut und wohl in deiner Haut. Alles was du anpackst gelingt mit Leichtigkeit. Es fällt leicht die unterschiedlichen Rollen im Leben anzunehmen, du bist Business Frau, Freundin, Wonder Woman und Alleinuntehalterin in einem. Kritik hat dir nichts anhaben. In dieser Zeit leben wir die im Frühling gesetzten Intentionen und Pläne aus.
Der Sommer ist die beste Zeit für schwierige und wichtige Gespräche mit unseren Liebsten, dem Chef und Freunden. Wichtige Business Meetings und Launches sollten in diese Woche im Monat gelegt werden

Der Herbst

Das Energielevel geht langsam wieder zurück (80-20%) und wir bereiten uns auf den Winter vor. Es fällt schwerer motiviert zu bleiben und Neues zu beginnen. Die Haut wird dünner und sowohl du, als auch deine Mitmenschen bekommen es zu spüren, wenn Bedürfnisse nicht abgeholt und Grenzen nicht eingehalten werden. Wir werden empfindsamer und verletzlicher.
In dieser Zeit ist es ideal um angefangen Dinge abzuschliessen und uns auf die Ruhetage des Winters einzustellen. Es gilt Vorbereitungen zu treffen, letzte Dinge zu erledigen bevor wir uns dem nächsten Winter hingeben und so den Zyklus schliessen.

Sich auf diesen Zyklus einzulassen und den Alltag entsprechend zu gestalten, kann einen ganz neuen Bezug zu deiner Periode, dem eigenen Körper und einem selbst schenken. Nach einer anfänglichen Umstellungsphase, welche wie jede Lifestyle Veränderung nicht nur reibungslos abläuft und leicht von der Hand geht, lernst du auf die Signale deines Körpers zu hören und es fühlt sich sehr natürlich an danach zu leben. Dies kann sich bereits beim ersten Zyklus einstellen.

Zunächst musst du dir über deine eigenen Phasen bewusst werden und den Zyklus kennenlernen. Einen Zyklus-Tracker und einen Jahreszeitenkalender eigenen sich dazu gut.

Der Zyklus-Tracker hilft Schwankungen wahrzunehmen und zu Wissen wie lange der Zyklus überhaupt dauert. Persönlich finde ich den Reminder, dass die Menstruation in ein paar Tagen ansteht einen hilfreich, um Dinge zum Abschluss zu bringen und bewusst in den Ruhemodus zu schalten. Zwei Apps, die ich wärmstens empfehlen kann ist Flo und Floliving.

Wenn man den Zyklus verstanden hat, kann man ihn in die 4 Jahreszeiten einteilen. Dazu teilt man einfach die Gesamtlänge des Zyklus zbsp. 28 Tage durch vier. Um diese Wechsel zu verfolgen gibt es zwei einfache Methoden: Die Phasen in den persönlichen Kalender eintragen. So kann man bei jedem Meeting, Urlaub etc checken, ob man dann überhaupt in der Verfassung ist, die Erwartungen an sich selbst und der anderen zu erfüllen.
Parallel kann man sich einen ausgedruckten Kalender daheim auf den Nachtisch legen – siehe Foto – und einfach einen Stein darauf zyklisch bewegen, Woche für Woche von einer Jahreszeit in die Nächste. So weiss man jeden Morgen in welcher Phase man sich gerade befinde. Und es ist erstaunlich wie man Stimmungs-, und Hormonschwankungen und das eigene Verhalten plötzlich besser einschätzen und einordnen kann.

Dank dem Stein weiss man auf dem Jahreszeitenkalender immer in welcher Phase man sich gerade befindet.

Hier kannst du deinen eigenen 4 Jahreszeitenkalender downloaden.

Stimmungen, die man davor mit ‘einfach ein guter Tag’ oder ‘einfach schlechte Laune hald’ erklärt hat, sich nun wiederkehrende und planbare Zeitperioden.

Als Yogalehrerin bedeutete diese Erkenntniss auch, dass sich meine persönliche Praxis ihnen anpassen musste. Nur so kann ich ganzheitlich meinen Bedürfnissen treu bleiben. Dass eine energetische Vinyasa Klasse nicht zu meinen Winterphase passt war mir nun klar. Aber wie konnte ich die energetische Wirkung, die Yoga auf meinen Körper, Geist und Seele hat aktiv nutzen, um das Beste aus meiner Praxis zu holen?

Yoga im Winter

Der Winter ist unsere Ruhephase und wer Krämpfe hat weiss, wieviel Hitze und Energie sich in dieser Zeit in unserem Bauch anstauen kann.
Es ist also wichtig, dass wir dies mit unserer Praxis nicht noch verstärken, sondern aktiv versuchen einen Ausgleich zu schaffen. Viel erfahren habe ich hierzu auf dem Blog von Petra. Sie teilt die Phasen leicht anders ein, ist im Kern aber sehr ähnlich. Das wichtigste fasse ich euch hier kurz zusammen:

  • Keine Asanas oder nur ganz leichte (Supta Baddha Konasana oder Legs up the wall) in den ersten 3 Tagen unseres Zyklus. Restorative Yoga wäre eine Option, wenn dir komplette Ruhe sehr schwer fällt.
  • kühlende und keine erhitzenden Asanas.
  • Keine Übungen, die die Körpermitte stärken, keine intensiven Back Bends und Twists und keine Umkehrungen.
  • Ja zu kühlenden Pranayamas (Sheetali, Chandra Bhedi, Nadi Shodana), Nein zu erhitzenden (Kapalabhati, Bhrastrika, Ujjay).
  • Ab Tag 4 sind leichte Hüftoffnungen ok.

Yoga im Frühling & Sommer

Unsere Energie kommt langsam zurück. Wir bereiten uns auf unsere Blüte vor und stecken voller neuem Elan und Tatandrank. Abgesehen von den Tagen des Eisprungs gilt deshalb:

  • Alles ist möglich: Umkehrhaltungen, Twists, stehende Asanas, Vor- und Rückbeugen
  • Alle Pranayamas.

Während dem Eisprung – getrackt dank Flo App – gilt:

  • Sanftes Yoga (z.B. Yin Yoga)
  • Sanfte Hüftöffner, leichte Rückbeugen.

Yoga im Herbst

Unsere Energie nimmt wieder ab. Es ist Zeit um über den vergangenen Monat zu reflektieren, angefangenes abzuschliessen. Langsam zur Entspannung zu finden mit

  • liegenden Asanas, Hüftöffner, sanfte Dehnungen des Lendenbereichs
  • Keine Umkehrhaltungen.
  • Pranayama: Sheetali, Chandra Bhedi, Nadi Shodana.

Je weiter wir durch den Herbst schreiten, desto sanfter sollte unsere Praxis werden. Während der letzten 4 Tage – auch bekannt als PMS – ist es deshalb besonders wichtig, sich an den oben genannten Richtlinien zu orientieren.

Wichtig bei all diesen Empfehlungen ist aber auch: Jede Frau erlebt ihren Zyklus anders. Wenn dein Körper dir etwas anderes sagt, dann probier es aus. Im Zentrum all dieser Arbeit soll stehen, dass du deinen Körper und deine Bedürfnisse besser kennen lernst und mit ihnen, statt gegen sie arbeitest.

Durch das anpassen der Yoga Praxis und das bewusstere Leben mit den Jahreszeiten kann sich das Bewusstsein für die Bedürfnisse des eigenen Körpers schärfen. Bereits nach wenigen Wochen kann man Fortschritte wahrnehmen, Stimmungsschwankungen besser annehmen und zuordnen konnte. Schmerzen und Krämpfe können abnehmen, weil der Körper seine Ruhe bekommt.

Aber natürlich leben wir nicht in einer idealen Welt, in der man sich immer 3 Tage frei nehmen kann und manchmal kann man wichtige Meetings und Gespräche nicht verschieben. Dann versucht man einfach auf das notwendige Minimum zu fokussieren, sich bei der Arbeit Zeit zu lassen und sich nicht unnötig zu pushen. Regelmässige Pausen einbauen und alles was möglich ist ein paar Tage zu verschieben.

Wenn dich das Thema weiter interessiert, kann ich dir folgende Blogs und Podcasts wärmsten empfehlen:

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Elena Scacchi

Hei, ich bin Elena und leidenschaftliche Yoga Lehrerin. Im yoga2be leite ich Dienstags von 17.00 - 18. 00 Uhr eine Hatha Klasse und Sonntags von 16.30 - 17.30 Uhr eine sehr entspannende Yin Yoga & Sound Stunde. Ich würde mich freuen, dich da mal zu sehen. Wenn du mehr über mich erfahren möchtest oder Fragen hast, dann folge mir doch auf Instagram.

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